THE DAILY: Blättern verboten! Rupert Murdochs neue iPad-Zeitung hat viel, aber nicht das, was wir an herkömmlichen Zeitungen so lieben. Umblättern, den Geruch von Druckerschwärze, das Knistern des Papiers, sie zerdrücken und falten können, schnell mal etwas ankreuzen oder unterstreichen. Ach ja, eine gedruckte Zeitung hat schon etwas….
Immerhin: Medienmogul Rupert Murdoch hat gemeinsam mit der Firma Apple einen Coup gelandet, der ganz der Apple-Philosophie entspricht. Denn würde THE DAILY von allen iPad-Besitzern gelesen werden, käme Dank fünfzehn Millionen verkaufter iPads weltweit eine beträchtliche Zahl an Lesern zustande.
Der Medienmacher hat in sein jüngstes Baby bereits 30 Millionen US-Dollar investiert. Das muss sich auch amortisieren. Kosten soll die neue iPad-Zeitung 99 US-Cent pro Woche oder 39,99 US-Dollar im Jahr, vorgestellt wurde sie Anfang Februar im New Yorker Guggenheim Museum.
Murdoch selbst tut derweil so, als sei die Entwicklung von THE DAILY finanziell gesehen ein Klacks. Sein eigentliches Ziel ist ein ganz anderes, das macht er seiner Leser- und Zuhörerschaft zumindest Glauben: Er will das Zeitungsgeschäft wieder profitabel machen.
Die neue iPad-Zeitung soll sich von herkömmlichen Zeitungen gerade dadurch unterscheiden, dass sie Teil der sozialen Vernetzung sein wird. Nur, wem soll sie zugänglich sein? Nur einer exklusiven Apple-Gemeinde? Und was ist mit den Abonnenten? Die Schwierigkeiten sind also vorprogrammiert: Nicht nur, dass die anfänglich gestiegenen Verkaufszahlen amerikanischer Zeitungen wieder zurückgingen, auch ein heftig entbrannter Streit zwischen Apple und den Verlagen um Kundendaten und Abo-Umsätze schadet dem Ansehen. Denn Gerüchten nach wollte der US-Konzern durchsetzen, dass Abos für iPad-Ausgaben in Zukunft ausschließlich über seine App-Store-Plattform abgeschlossen werden dürfen.
Würdet ihr eine solche Zeitung auch in Deutschland begrüßen? Hat das Zweiklassendenken bei uns überhaupt eine Chance? Und wie passt das zur Social-Network-Denke? Ist doch irgendwie unlogisch, oder? Ich bin gespannt auf eure Meinungen!
Quelle: FAZ.NET , Feuilleton
http://www.faz.net/-01o4a7

2 Kommentare
Das Zweiklassensystem ist anscheinend das einzige was in Deutschland zu jeder Zeit funktioniert. Auf die diesjährige Cebit hat sich anscheinend keiner hin getraut, der nicht ein Iphone besitzt. Zu mindestens konnte ich dort keine Nutzer fremder Geräte entdecken…..
Im übrigen basiert das social-network denken eh auch nur in eine Richtung. Wer auf einer “pro” Plattform “contra” ist sieht recht schnell wie “sozial” das web sein kann
Insofern ist the daily genau das richtige – ein Treffpunkt für gleichgesinnte wie der Rest des Systems.
Hallo Sven,
ich gebe dir recht, schließlich basiert das Image solcher Unternehmen ja in erster Linie auf der vermeintlichen Aufwertung auf, die mit dem Erwerb eines solchen Produktes einhergehen soll. Auf der CEBIT heißt es einmal mehr: Sehen und gesehen werden.
Aber ich glaube, iPad-Besitzer haben es zwar komfortabler, aber alle anderen haben auch keine wirklichen Nachteile in Bezug auf Zeitungen. Die gehen dann eben mit ihrem herkömmlichen Rechner auf die Website einer Zeitung und lesen sie dann.